Zum Glück Disneyland ...

Ich bin überglücklich. Echt. Ich hab da an einem Wettbewerb teilgenom-men, und morgen fahre ich für eine Woche nach Disneyland. Aber der eigentliche Grund, warum ich überglücklich bin, ist, dass ich nicht die einzi-ge Person bin, die gewonnen hat. Also, ich hab Lose gezogen, und ich hatte den Hauptgewinn. Disneyland. Und ich holte mir meine Freikarte ab. Es sollte zwei Gewinner geben, und ich war total gespannt darauf, wer noch gewinnen würde. Denn mit der anderen Person würde ich zusammen im Flieger sitzen und ein benachbertes Zimmer im Hotel haben. Also fragte ich die Leute, die mir die Disneyland-Freikarte gegeben haben, ob denn der andere Gewinner schon feststünde. Doch sie schüttelten nur den Kopf. Ich wollte schon wieder weggehen, als mir mein neuer Mathelehrer entgegen kam und mir sein Los zeigte. „Hallo Kathi, ich hab gehört, dass du auch eine Freikarte hast. Ich freu mich schon auf unseren Urlaub." Na toll. Ich freute mich nicht. Ich überlegte schon, ob ich die Freikarte nicht verkaufen sollte. Da klingelte etwas. Es war das Handy meines Lehrers. Er ging dran und ich hörte einzelne Satzfetzen: „Guten Tag... Nein... Was???...Kann sie nicht später kommen?... Och nö... Tschüss." Dann legte er auf und schaute mich ziemlich enttäuscht an. „Ich kann nicht mitkommen. Es tut mir Leid, meine Nichte kommt nächste Woche und sie kommt fast nie. Ich muss meine Karte leider verkaufen. Ich hoffe, du bist nicht sehr enttäuscht." Also, enttäuscht war ich garantiert nicht. Ich versuchte mitleidig zu gucken, aber innerlich freute ich mich riesig. Egal, wem er die Freikarte jetzt verkaufte, schlimmer als mein Mathelehrer geht nicht. Er fragte mehrere Leute, ob sie eine Disneyland-Freikarte gebrauchen könnten, aber keiner hatte Interresse. Als doch schließlich eine fette alte, übertrieben geschminkte Dame auf ihn aufmerksam wurde, bekam ich Panik. Ich handelte, ohne zu überlegen. Ich sagte ihr, dass die Karte 200€ kosten würde. Das war zwar nicht sehr glaubwürdig, aber die Frau ging davon. Mein Lehrer starrte mich wütend an und sagte: „Ich hätte meine Karte verkauft bekommen! Bist du verrückt geworden?" „Es tut mir Leid", behauptete ich, „ich kauf Ihnen Ihre Freikarte ab und ich kann sie ja dann irgendjemandem schenken oder ich versuch sie auch noch mal zu verkaufen." Er gab mir tatsächlich seine Karte und verlangte noch nichtmals Geld. „Katharina, du bist eine gute Schülerin. Ich schenke dir meine Karte." Und dann ging er davon. Hoffentlich hat das keiner gehört dachte ich, als mir jemand auf die Schulter tippte. Ich drehte mich um- und war hin und weg. Da stand ein Junge, etwa 13 Jahre (also so alt wie ich), und er war wunderschön. Er hatte blonde Haare und schöne blaue Augen. Aber das Tollste war das Lächeln. Er hatte tiefe Grübchen. „Ich hab gehört, du hast jetzt zwei Freikarten", sagte er. Seine Stimme war einfach wunderbar. Ich war total bis über beide Ohren verliebt in ihn. „Ähh, ja, hab ich", erwiderte ich. Er lächelte noch immer und fragte mich:„Brauchst du beide Karten, oder könnte ich dir vielleicht eine Karte abkaufen. Ich wollte schon immer nach Disneyland." Ich gab ihm sofort meine Karte und bestand darauf, dass er sie umsonst haben konnte. „Danke, das ist echt süß von dir. Wie heißt du denn?", fragte er mich. Er hat mich nach meinem Namen gefragt! Das ist ein guter Anfang. „Ich, ähh, ich heiße Katharina, aber alle meine Freunde nennen mich Kathi. Du kannst mich auch Kathi nennen, wenn du willst", stotterte ich. Er grinste und meinte: „Ja, ich hoffe, wir werden schnell Freunde. Ich muss jetzt leider los. Und danke nochmal für die Karte.Wir treffen uns ja dann morgen am Flughafen." Damit ging er. Ich stand immer noch da und glaubte immer noch nicht, was gerade geschehen war. Er wollte, dass wir schnell Freunde werden. Ich glaube, er mag mich auch. Und ich freue mich natürlich auf morgen.
Heute Nacht konnte ich nicht einschlafen. Zu dumm, dass ich nicht nach seinem Namen gefragt habe. Das kam bestimmt sehr unhöflich rüber. Aber seinen Namen werde ich ja noch erfahren. Es sei denn er ist krank. Liebes-krank. Hihihi. Moment mal! Was wäre, wenn er wirklich krank sein würde und nicht mitkommen kann. Jetzt konnte ich erst recht nicht mehr einschlafen. Ich dachte ein bisschen nach, über was weiß ich auch nicht mehr, und dann schlief ich doch ein.
Am nächsten Morgen war ich bereits um 6 Uhr hellwach und frühstückte schon mal. Ich musste erst um 9 Uhr am Flughafen sein. Um 8.30 Uhr fuhren wir los. Also, ich hab vorher natürlich noch meine Tasche gepackt. Und meine Mutter fuhr mich zum Flughafen. Schon vom Weitem sah ich Mister Wunderschön. Er begrüßte mich freundlich und ich ihn auch. Meine Mutter fuhr wieder. Es war genauso wie ich es mir vorgestellt hatte: Wir redeten die ganze Zeit und vergaßen alles um uns herum.
Das Hotel war klasse. Alles hier war klasse. Ich hatte ein großes Luxus-Appartment und einen riesigen Balkon. Also, den Balkon teilte ich mir mit Leo (ich hab ihn im Flugzeug nach seinem Namen gefragt!) und das war wirklich eine der tollsten Sachen. Am ersten Tag saßen wir nämlich auf unserem Balkon und unterhielten uns noch weiter. Leo ist sooo süß. Und nett ist er auch. Kein Wunder, dass ich in ihn verliebt bin.
Heute war der beste Tag meines Lebens. Leo hat mich geküsst! Echt! Wir waren nämlich auf der Achterbahn. Wir beide, Leo und ich. Und wir saßen zu zweit in einem Wagen. Na ja, auf jeden Fall war die Achterbahn sehr wild und wir wurden viel hin und her geschleudert. Und dann passierte es: In der engsten Kurve wurde Leo zu mir geschleudert und sein Mund landete auf meiner Wange. Er entschuldigte sich hastig und wurde knallrot. Ich sagte nur: „ Ist schon gut.” Aber ich konnte an nichts anderes mehr denken als an diesen Kuss. Ja, vielleicht war es nur ein Versehen, aber das machte mir nichts aus. Ich war nur noch mehr verliebt. Vielleicht liebt er mich ja auch?
Die restlichen Tage hatten wir auch sehr viel Spaß. Früher dachte ich im-mer, das Disneyland wäre für Kleinkinder. Aber es ist auch der roman-tischste Ort, den ich kenne. Für Verliebte eben. Und ich war verliebt.
Auf dem Rückflug war ich traurig. Vielleicht war das ja die letzte Gelegen-heit, Leo zu sagen, dass ich in ihn verliebt bin. Aber ich traute mich nicht. Ich muss mal mehr an meinem Selbstbewusstsein arbeiten! „ Kathi, es war sehr schön mit dir im Disneyland. Ich glaub, ich hätte mit keiner anderen Person so viel Spaß gehabt wie mit dir”, sagte Leo. Ich wurde rot. „ Ähh, ja, mit dir war es auch sehr schön. Also, wenn du willst, können wir sowas ja wieder machen. Also, natürlich nur, wenn du willst”, stammelte ich. Er nickte und sagte: „ Ja, ich würde sowas gern wiederholen.” Den Rest des Flugs waren wir still.
Ich war so in meine Gedanken vertieft, dass ich gar nicht merkte, dass wir landeten. Leo tippte mich an und ich war geistig wieder anwesend. Er schaute mich an und meinte: „ Kathi, wir sind da. Wir können jetzt gehen.” Ich schaute ihn erst verwirrt an, aber dann verstand ich und wir gingen. In der Eingangshalle des Flughafens warteten wir dann auf unsere Eltern, die uns abholen sollten. Wir warteten schon 20 Minuten. Irgendwann fing Leo an zu stottern: „ Kathi, ähh, also, ich wollte dir noch was sagen, ich, ähh, ich...” Er wusste nicht was er sagen sollte. Und plötzlich beugte er sich zu mir herüber und küsste mich. Als unser Kuss zuende war, grinste ich und sagte: „Ich liebe dich auch.” Da kam auch schon meine Mutter. Ich kramte schnell einen Zettel heraus, riss ihn in zwei Hälften und schrieb auf einer meine Addresse. „ Hier hast du meine Adresse und meine Telefonnummer steht auch drauf.” Ich gab ihn beide Zettel, damit er auf der anderen Hälfte seine Adresse schreiben konnte. Er schaute auf meine Adresse und grinste mich an: „Hallo Nachbar.” Ich schaute etwas irritiert, also setzte er hinzu: „Wir ziehen nächste Woche um. Und zwar drei Häuser weiter.” Jetzt grinste ich auch. Und dann lagen unsere Lippen wieder aufeinander. „Also, ich kann auch da hinten stehen bleiben, wenn ihr möchtet”, sagte eine bekannte Stimme hinter mir. Ich drehte mich erschrocken um. Es war meine Mutter! Oh mein Gott, die hatte ich ja ganz vergessen! „Nee, schon gut, wir können jetzt gehen”, antwortete ich erschrocken. Leo grinste mich an: „Okay, Frau Nachbarin, wir sehen uns.” „Wir werden uns noch 10000 Mal sehen”, antwortete ich fröhlich, und dann ging ich.

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